Walter Grein: Der moderne Fünfkampf in Warendorf

Europa-Cup - Deutschland-Pokal - Weltcup

Damenteam 1983/84
Das deutsche Damenteam 1983/84, von links Rosita Kirsch (Reiten), Sabine Krapf (Fechten), Tanja Meyer (Schwimmen), Barbara Korsa (Schießen), Berit Walz (Laufen). Sie machten den Modernen Fünfkampf für Frauen in Deutschland hoffähig. (Foto: Deutscher Fünfk

Von seiner Gründung an hat der Nordrhein-Westfälische Verband für Modernen Fünfkampf an den Tagen um den 1. Mai herum in Warendorf einen Wettkampf ausgerichtet. Waren es zunächst interne Wettkämpfe, so wurden sie späterhin international ausgeschrieben und dann sogar als Länderkämpfe des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf durchgeführt. Mit dem Europa-Cup startete man 1974 eine völlig neue Serie, die sogar unter die Autorität des Weltverbandes gestellt wurde.

Es war eine in Warendorf geborene Idee, Clubmannschaften der starken und Verbandsmannschaften der schwächeren Fünfkampfnationen um einen Pokal kämpfen zu lassen, bei dem in jeder Mannschaft 4 Athleten starten und gewertet werden sollten. Diese Idee wurde von den Nationen begeistert aufgenommen, so dass am 29. April 1974 in Warendorf 15 komplette Mannschaften den Wettkampf aufnahmen, den schließlich die ungarische Mannschaft von Csepel Budapest gewann.

Nach einer Idee des Warendorfer Sportamtsleiters Rudolf Spicker übernahm Hubert Janning, Angelmodde, die künstlerische Gestaltung des Pokals, der auch mit der Inschrift Pax-Optima-Rerum (der Friede ist das Höchste der Welt) an den großen europäischen Frieden von 1648 erinnert. Der Bürgermeister der Stadt Warendorf, Dr. Hans Kluck, identifizierte sich als Stifter mit dem Pokal und übernahm auch die Schirmherrschaft des Wettkampfes.

Siegerehrung
Siegerehrung beim Deutschland-Pokal 1978: 1. Deutschland: Axel Stamannn, Diethelm Mette, Norbert Kühn, Gerd Werner; 2. UdSSR; 3. Ungarn. (Foto: Deutscher Fünfkampf-Verband 1978)

Die Stadt Warendorf und die in ihr beheimateten Fünfkampfverbände hatten dem internationalen Verband angeboten, diesen Wettkampf jährlich auszurichten. Dieses Angebot verknüpfte man mit der Bitte, als Ausrichter zwei Mannschaften stellen zu dürfen. Auf dem Kongress in Moskau lehnten die Delegierten den Antrag ab und bestanden auf einer jährlich wechselnden Vergabe. Damit war der Europa-Cup bereits zum Sterben verurteilt, ehe er so recht zum Leben geweckt worden war. 1975 sprang der DVMF noch einmal ein, dann fanden sich nur noch sporadisch Ausrichter, und mit der Ausschreibung einer Europameisterschaft 1987 war die Cupidee tot.

CISM-Meisterschaft 1991
CISM-Meisterschaft 1991 v.l.n.r.: Mannschaftsführer Erwin Hoffmann, Oliver Metschke, Uwe Zimmer, Benedikt Leidinger, Ulrich Czermak, Trainer de Vries, Delegationsleiter Schwaar (Foto: Archiv der Sportschule der Bundeswehr)

Der Gedanke, einen Mannschaftswettbewerb mit 4 Athleten durchzuführen, blieb jedoch in Warendorf lebendig. 1977 wurde erstmalig der Deutschland-Pokal durchgeführt. Einmal mehr war das ein Treffen der weltbesten Pentathleten. Der vom Deutschen Sportbund gestiftete Pokal war von der Koblenzer Bildhauerin Edith Peres-Lethmate gestaltet worden. Um den "Deutschland-Pokal" gab es auch eine politische Diskussion. Man muß daran erinnern, dass die Bezeichnung Deutschland im damaligen "Ostblock" nicht nur suspekt, sondern verboten war. Boykott des Wettbewerbes stand im Raum, kam aber nicht zum Tragen, weil Warendorf eine zu große Anziehungskraft hatte.

CISM-Meisterschaft 1991
CISM-Weltmeisterschaft 1991. Siegermannschaften (von links): Deutschland (2.) mit Uwe Zimmer, Ulrich Czermak, Benedikt Leidinger, Russland (1.), Polen (3.) (Foto: Wilhelm Spieker, Archiv Sportschule der Bundeswehr)

Auch der Weltcup für Frauen hatte in Warendorf 1979 seine Deutschland-Premiere. Dr. Peter Henze, Göttingen, Präsident des DVMF von 1966 bis 1972, war der unermüdliche Streiter auf nationaler und internationaler Ebene, auch im Modernen Fünfkampf den emanzipatorischen Entwicklungen der Gegenwart Rechnung zu tragen. Auf seinen Antrag hin beschloss der Kongress der UIPM 1968 in Meidko die Bildung eines entsprechenden Komitees. Bis die Regeln für Frauenwettkämpfe modifiziert und erste offizielle Wettkämpfe ausgeschrieben wurden, dauerte es dann fast zehn Jahre. Die ersten Deutschen Meisterschaften der Frauen fanden 1977 in Leverkusen statt und 1978 die erste Weltcupserie des internationalen Verbandes in Zielona Gera, Jönköping und London. Bei den 1977 und 1978 ausgetragenen Wettkämpfen wich man von der Regel ab, für jede Disziplin eine neue Auslosung vorzunehmen. Man legte fest, dass sich die Startreihenfolge durch die jeweilige Gesamtplazierung ergab. Dieses System wurde 1978 als das "Warendorfer Modell" in das internationale Reglement aufgenommen.