Walter Grein: Der moderne Fünfkampf in Warendorf

Aufbau und Entwicklung in Deutschland

Wolfgang Gedicke
Wolfgang Gedicke bei der "Ost-West-Ausscheidung" in Warendorf für die Olympischen Spiele 1960 (Foto: Alfred Kaup, Warendorf)

In Deutschland war der Aufbau einer für den Modernen Fünfkampf verantwortlichen Verbandsorganisation besonders schwierig, weil das Kontrollratsgesetz Nr. 21 der Alliierten die Ausübung von militärischen bzw. paramilitärischen Disziplinen grundsätzlich verbot. Erst nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 traten einige Lockerungen ein. Unter der Schirmherrschaft des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland konstituierte sich am 26. September 1949 in Frankfurt am Main ein Ausschuss für den Modernen Fünfkampf, dessen Vorsitzender der Frankfurter Polizeipräsident Klapproth wurde. Ein Jahr später übernahm der Hamburger Polizeipräsident Georges dieses Amt.

Im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele in Helsinki 1952 stellte der "Deutsche Ausschuss für Modernen Fünfkampf" den Antrag auf Aufnahme in den Weltverband (UIPM), denn nur durch diese Mitgliedschaft konnte man das olympische Startrecht erhalten. Die Vorbereitungszeit war jedoch zu kurz und die Zahl geeigneter Wettkämpfer für ein erfolgreiches Abschneiden zu klein. Die Polizeiwachtmeister Slupik, Kapp und Harder belegten bei 51 Teilnehmern aus 19 Ländern die Plätze 32, 36 und 51. Wegen einer Verletzung musste Harder nach dem Fechten aufgeben, so dass die deutsche Mannschaft nicht in die Wertung kam. Dennoch war die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1952 für die Entwicklung des Modernen Fünfkampfs in Deutschland enorm wichtig, weil von diesen Spielen eine Signalwirkung ausging und das grundsätzliche Interesse geweckt worden war. Vor allem in den Verantwortungsbereichen der Polizeipräsidenten von Berlin, Hamburg und Düsseldorf wurde eine gezielte Sichtung unter jungen Beamten vorgenommen, um Talente für den Modernen Fünfkampf zu finden.

In Folge starteten deutsche Pentathleten, ausschließlich Polizeibeamte, mit bescheidenem Erfolg ab 1955 bei den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften und 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom. In diesen Jahren bewies als erster der Berliner Polizeibeamte Goedicke internationales Niveau. Durch das Engagement der Bundeswehr, den Modernen Fünfkampf als eine "Besondere Sportart" zu fördern, wurde die Basis ab 1960 erheblich verbessert.