Walter Grein: Der moderne Fünfkampf in Warendorf

Aufbau eines Leistungszentrums

NRW-Team 1971
NRW-Team bei den Deutschen Meisterschaften 1971 in Wittlich. Obere Reihe v.r.n.l. Eggers, Rößler, Riech, Frings, Esser, Leimbach, Reder; untere Reihe Terharen, Helmich, Meister, Benedek, Ohligschläger (Foto: Moderner Fünfkampf Verband NRW)

Am 26. April 1966 traf das Internationale Olympische Komitee die Entscheidung, die Ausrichtung der XX. Olympischen Spiele München zu übertragen. Dadurch wurde in der Bundesrepublik Deutschland das Interesse für den Leistungssport ganz allgemein geweckt. Nachdem sich bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko die Erfolge nicht, wie erhofft, eingestellt hatten, wurde sowohl bei den Verantwortlichen der Sportverbände wie auch bei den politischen Mandatsträgern in Bund und Land über eine Intensivierung des Leistungssports nachgedacht. Dem Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf gab man 1968 die finanziellen Mittel, auf Honorarbasis den Diplomsportlehrer und Fechtmeister Istvan Szondy, für Ungarn Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki, als Bundestrainer zu verpflichten.

1973 wurde Diplomsportlehrer Herbert Rieden, aus dem Reitsport kommend und selbst Moderner Fünfkämpfer, der erste hauptamtliche Trainer des DVMF. Diese Aufgabe erfüllt er bis heute vom Standort Warendorf aus. Die Warendorfer Diplomsportlehrer Volker Hedrich und Michael de Vries sowie Sportlehrer Manfred Rauer waren phasenweise als Honorartrainer im Senioren- und Juniorenbereich tätig.

Am 10. Februar 1968 entschied der DVMF-Verbandstag, den Vorstellungen des Bundesministeriums des Innern und des Kultusministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen zu folgen und Warendorf als Standort für ein Leistungszentrum vorzuschlagen. In Konkurrenz stand die Universitätsstadt Göttingen mit ihrem Institut für Leibesübungen. Die ausschlaggebenden Argumente für den Standort Warendorf lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. In der sportfreudigen Kleinstadt Warendorf wird der Sport nicht so schnell wie in einer Großstadt an den Rand der Ereignisse gedrängt. 2. Die Erfahrung mit nationalen und internationalen Sportveranstaltungen. 3. Die zentral günstige Verkehrslage am östlichen Rande des Ballungszentrums Ruhrgebiet und im Verhältnis zum Bundesgebiet. 4. Die Integration mit anderen Sporteinrichtungen, d.h. die gegenseitige Ergänzung durch DOKR, Deutsche Reitschule, Reit- und Fahrvereine und später durch die Sportschule der Bundeswehr. Diese günstige Konstellation reduzierte insbesondere die elementare Abhängigkeit des Fünfkampfes von Pferden für die Disziplin Reiten auf ein Minimum. 5. Die mustergültigen Rahmenbedingungen durch optimale Trainings- und Wettkampfstätten für alle Disziplinen. 6. Die Bereitschaft der Stadt zur Unterstützung des Bundesleistungszentrums.

Am 9. Dezember 1968 wurde der Grundstein für das Bundes- und Landesleistungszentrum auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück an der von-Ketteler-Straße gelegt. Nach den Plänen der Warendorfer Architekten Kiküm/Brechler wurde mit dem Bau begonnen. Dieses Archtekturbüro war aus einem von der Stadt Warendorf beschränkt ausgeschriebenen Wettbewerb als Sieger hervorgegangen. Das Preisgericht leitete Ministerialrat Dipl.-Ing. Dr. Michel vom Bundesministerium des Innern, Bonn. Mitglieder des Gremiums waren u.a. Kreisoberbaurat Dipl.-Ing. Broecker, Bürgermeister Dr. Kluck, beide Warendorf, und der Präsident des DVMF Dr. P.W. Henze, Göttingen.

Bundes- und Leistungszentrum in Warendorf
Bundes- und Landesleistungszentrum in Warendorf für den Modernen Fünfkampf 1972 (Foto: Alfred Kaup, Warendorf)

Das Raumprogramm umfasste ein Hallenbad mit einem Becken von 12,5 x 25 m, Fechthalle, Sauna, ein Internat mit 28 Unterbringungsplätzen und den dazu erforderlichen Versorgungseinrichtungen und Verwaltungsräumen. Die Gesamtkosten betrugen 5 Millionen DM, die mit 2/3 vom Bund und 1/3 vom Land getragen wurden. Anlässlich der Weltmeisterschaften 1970 wurde durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern Dorn und in Anwesenheit des Präsidenten der UIPM, des schwedischen General Thofelt, der Richtkranz gesetzt. Am 11. Februar 1972, also noch vor den Olympischen Spielen, wurde das Zentrum in Betrieb genommen, am 27. Oktober 1972 offiziell eröffnet. Die Stadt Warendorf übenahm die Trägerschaft und die Dienstaufsicht über das Leistungszentrum. Die laufenden Betriebskosten wurden über einen Wirtschaftsplan abgewickelt, für den sich Bund und Land anteilig zu je 2/3 und 1/3 verantwortlich fühlten.

Der Deutsche Verband stellte mit Peter Michel einen hauptamtlichen Geschäftsführer ein. Sein Wechsel 1974 zum Deutschen Schützenbund machte personelle Umbesetzungen erforderlich. Jugendsekretär Manfred Knust wurde die Leitung des Internats übertragen, das administrative Tagesgeschäft wickelte eine Bürokraft ab. Diplomtrainer Pauli Hentschel, der erste Internatsschüler in Warendorf überhaupt, war 1980/81 sportlicher Leiter im BLZ, eine viel zu kurze Zeit, um sich verwirklichen zu können. Als Kontroll- und Entscheidungsorgan wurde ein Kuratorium mit Vertretern des Bundes, des Landes, der Stadt und der beteiligten Sportverbände bestellt. Das Kuratorium beschloss einige Jahre später eine Erweiterung des Raumprogramms für das Internat und seine Verwaltung sowie den Bau eines Pistolenschießstandes.

Im gedanklichen Zusammenhang, den Leistungssport intensiver als bisher zu fördern, ist auch der Beschluss der Landesregierung Nordrhein-Westfalens vom Juli 1968 zu sehen, einen Förderungsplan "Leistungssport" zu verabschieden. Auf dieser Grundlage war es dem Landesverband Nordrhein Westfalen möglich, einen hauptamtlichen Verbandstrainer einzustellen. Am 1. März 1969 nahm der ungarische Diplomsportlehrer Gabor Benedek, selbst Olympiasieger und Weltmeister, seine Tätigkeit in Warendorf auf. Er war der erste hauptamtliche Trainer im Bereich des Modernen Fünfkampfes in Deutschland. Damit konnte mit einer intensiven Talentsuche, Talentförderung und einem gezielten Leistungstraining der Senioren begonnen werden. Die Erfolge waren schon in wenigen Jahren sichtbar. Nordrhein-Westfälische Athleten bildeten überwiegend die Nationalmannschaft und speziell das Team bei den Olympischen Spielen 1972.

Olympiamannschaft
Die Olympiamannschaft 1988 mit Warendorfer Akzent. Von links: Dirk Knappheide, Detlef Kreher, Berlin, Herbert Rieden, Marcus Marsolleck Berlin, Michael Zimmermann

Sehr bald waren Warendorfer Sportler, vor allem Jungen, sowie Internatsschüler für Deutschland bei den Weltmeisterschaften der Junioren und Senioren erfolgreich. Mit Volker Riech, Diethelm Mette, Michael Zimmermann, Matthias Cichosz, Pauli Hentschel, Arno Bauhaus, Michael Terharen, Klaus Leimbach, Friedrich Eimer, Michael Kehne, Jürgen Pickel, Berti Rieden, Dirk Knappheide und Benedikt Leidinger werden hier nur die erfolgreichsten genannt. Auch die beiden Münsteraner Schüler Achim Bellmann und Martin Delker trainierten regelmäßig im Warendorfer Leistungszentrum. Aufgrund seiner gradlinigen Persönlichkeit und fachlichen Kompetenz wurde Gabor Benedek der Orientierungspunkt für den Modernen Fünfkampf in Deutschland. "Meister" wurde er respektvoll von allen Athleten genannt.